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Letzte Änderung:
09.04.2010

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Bewegung und Vitamin D

Bedingt durch die Entwicklungsgeschichte der Menschheit als Jäger und Sammler über Mil-lionen von Jahren kommt der Bewegung (im Freien) eine ganz besondere Bedeutung zu. Dabei lassen sich zwei Aspekte abgrenzen: Zum einen die Auswirkung der Bewegung auf Muskulatur, Knochen und Herz-Kreislaufsystem und zum anderen die Bildung von Vitamin D in der Haut durch die UV-Strahlung im Sonnenlicht.

Zur Dokumentation der Bedeutung der Bewegung für die Gesundheit des Menschen soll stellvertretend für die zahlreichen Publikationen die nachstehende, bereits 1994 verfasste Deklaration dienen. Im Anschluss daran erfolgt eine Darstellung der Bedeutung von Vita-min D für den menschlichen Körper.


Kölner Deklaration der Weltgesundheitsorganisation und des Weltverbandes für Sportmedizin von 1994!

"Technisierung und Automation haben die muskuläre Belastung und die der inneren Organe in den vergangenen vier Jahrzehnten in zahlreichen Ländern der Erde radikal verringert. Dadurch ist sowohl im Beruf als auch im freizeitlichen Dasein der Kalorienverbrauch in erheblichem Maße reduziert worden. Zusätzlich verleiten die heutigen Möglichkeiten von Fernsehen, Hörfunk und Computerspielen zu einer sitzenden Lebensweise.

Eine Vielfalt von internationalen Forschungsergebnissen von epidemiologischer, klinischer und experimenteller Art führt zu dem Schluss, dass körperliche Aktivität die Lebenserwartung verlängert und gegen zahlreiche chronische Erkrankungen einen relativen Schutz verleiht. Dazu zählen die koronare Herzkrankheit, die Hochdruckerkrankung, der nicht insulinabhängige Diabetes mellitus, die Osteoporose und der Dickdarmkrebs.

Umgekehrt lassen einschlägige andere Untersuchungen eine Vergrößerung des Risikos zur Entstehung von koronarer Herzkrankheit, Hochdruck, Altersdiabetes, Schlaganfall, Prostatakarzinom, Lungen- und Brustkrebs sowie für psychologische Beeinträchtigungen wie Depression in Verbindung mit körperlicher Inaktivität erkennen.

Im Gegensatz dazu unterstützt körperliche Aktivität die Rehabilitation von Patienten mit arteriosklerotisch verursachten Herz-Kreislauferkrankungen, einigen neurologischen Krankheiten und Beeinträchtigungen am Halte- und Bewegungsapparat. Bei älteren und alten Personen hilft körperlicher Aktivität zur Beibehaltung der körperlichen Selbständigkeit und wirkt altersbedingten körperlichen und geistigen Leistungsverlusten entgegen.

Die Weltgesundheitsorganisation und der Weltverband für Sportmedizin weisen auf eine ungeheuere Verschwendung menschlichen Potentials aufgrund von vermeidbaren Erkrankungen in Verbindung mit ungenügender körperlicher Aktivität hin. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung mag davon heute betroffen sein, beginnend im Kindes- und Jugendalter. Die Todeszahlen, welche maßgeblich durch Inaktivität begünstigt werden, sind vergleichbar mit den durch Rauchen verursachten!"

Diese Deklaration hat auch ein Dutzend Jahre später nichts an Aktualität eingebüßt, da sich die Gesamtsituation weltweit in Bezug auf die chronischen Erkrankungen sogar noch verschlechtert hat, wie die Daten der Weltgesundheitsorganisation für 2005 zeigen! Leider haben die Regierungen, an die diese Deklaration mit der Bitte um Abhilfe gerichtet war, bislang zu wenig getan, um den konkreten Forderungen nachzukommen, mit denen die Deklaration schließt:

"Tägliche körperliche Aktivität sollte den Eckpfeiler eines gesunden Lebensstils darstellen!

Kindern und Jugendlichen sollten Gelegenheiten für tägliche Bewegungsprogramme geboten werden mit dem erzieherischen Effekt, dass körperliche Aktivität sich zu einer lebenslangen Gewohnheit entwickeln sollte!

Erwachsene sollten eine täglich mindestens 30-minütige, gezielte körperliche Aktivität von mäßiger Intensität auf sich nehmen, z.B. schnelles Gehen, Wandern oder Treppensteigen. Intensivere Belastungen wie langsamer Dauerlauf, Radfahren und Schwimmen könnten zusätzliche gesundheitliche Vorteile erbringen!"


Vitamin D (das gar kein Vitamin sondern ein Hormon ist)

Vitamin D wird in unserer Haut ohne unser Zutun automatisch gebildet, sobald die Sonne mit genügender Intensität darauf scheint. In unseren Breiten ist dies von April bis Oktober der Fall. Viele Jahre lang beschränkte sich die Kenntnis der Bedeutung von Vitamin D auf seinen Effekt für den Knochen und Mineralhaushalt. Man nahm an, dass die aktive Form ausschließlich in der Niere gebildet werden kann, die es dann wieder an das Blut für den Knochenstoffwechsel abgibt. Diese Auffassung hat sich zwischenzeitlich grundlegend geändert, da alle Zellen über Vitamin D-Rezeptoren verfügen und aktives Vitamin herstellen können, das dann jedoch in der Zelle direkt verstoffwechselt wird, so dass die aktive Form aus diesen Zellen nicht im Blut erscheint.

Neue Untersuchungsergebnisse weisen daraufhin, dass ein niedriger Vitamin D-Spiegel bei der Entstehung und Zunahme einer ganzen Reihe von Tumoren ursächlich beteiligt ist: Prostatakarzinom, Mamakarzinom, Bronchialkarzinom, Kolo-Rektal-Karzinome, maligne Lymphome und Melanome sowie anderer Krankheitsbilder.

Aktives Vitamin D zeigte im Laborversuch bei den genannten Tumoren einen starken wachstumshemmenden Effekt. Die Mechanismen dieses Effektes stehen in Verbindung mit der Auslösung von Vorgängen, die zum Zelltod führen. Als weiterer, hemmender Effekt wird ein Einfluss auf die Tumordurchblutung diskutiert.

Unabhängig von diesen zusätzlich nachgewiesenen tumorspezifischen Effekten wurde der Normbereich für Vitamin D im Serum des Menschen deutlich nach oben korrigiert, da zahlreiche Untersuchungen gezeigt haben, dass der vollständige Effekt von Vitamin D zum Beispiel auf den Mineralsalzgehalt des Skeletts erst bei höheren Konzentrationen im Serum eintritt als dies bislang angenommen wurde (Zitat 1).

Konsequenterweise wurden auch der therapeutische Bereich und die Höhe der empfohlenen Dosis von Vitamin D nach oben korrigiert (Zitat 2).

Zusätzliche Bedeutung erhält die tumorhemmende Eigenschaft des Vitamin D durch das Phänomen der zunehmenden Fettsucht im Kindesalter. Die fehlende körperliche Aktivität dieser Kinder führt nicht nur zu Übergewicht sondern durch das "Stubenhocken" auch zu einem Vitamin D Mangel (Zitat 3).

Erschwerend kommt hinzu, dass die ohnehin geringe Vitamin D Menge dieser Kinder in dem erheblich vermehrten Fettgewebe gespeichert wird und damit in ihrer Verfügbarkeit eingeschränkt ist.

Prof. Holick, der Entdecker der aktiven Form des Vitamin D weist u.a. darauf hin, dass bei Vitamin D Mangel offensichtlich die Ausschüttung des Hormons Leptin gestört ist. Dieses Hormon signalisiert dem Körper, dass er genügend Fett aufgenommen hat. Wird der Spiegel für Vitamin D im Blut normalisiert, kommt dieser Mechanismus erneut in Gang.

Es steht somit zu befürchten, dass die übergewichtigen Kinder nicht nur vermehrt ein metabolisches Syndrom, Diabetes und eine Herzerkrankung, sondern auch vermehrt Karzinome in ihrem Leben entwickeln und immer fetter werden, falls nicht nachhaltig der Lebensstil geändert oder Vitamin D substituiert wird. Hierzu gibt es zwar noch keine konkrete Hochrechnung, die aktuellen Zahlen für die Erwachsenen bezüglich der vermehrten Karzinomentstehung sind jedoch eindrucksvoll genug (Zitat 4).

Weitere aktuelle Publikationen weisen darauf hin, dass ein Vitamin D Mangel bei Schwangeren nicht nur negative Einwirkungen auf den späteren Knochenstoffwechsel sondern auch auf die Entwicklung des Immunsystems der Kinder hat. Damit käme einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D in der Schwangerschaft eine noch größere Bedeutung als der Versorgung mit Folsäure zu.

Ausgewählte Zitate aus der Literatur:
Zitat 1: Bischoff-Ferrari, HA et al. Am J Clin Nutr 84 (2006) S 18-28
Zitat 2: Whiting et al:Journal of Nutrition 136 (2006) S 1114
Zitat 3: Hintzpeter, B et al: Proc. Germ. Nutr. Soc. 10 (2007) S 47
Zitat 4: Grant WB et al: Recent Results Cancer Research: 174 (2007) S 225